Besuch der Leipziger Buchmesse 22.03.–24.03.2019

Tag 1:

Extrem motiviert stand ich am Freitagmorgen um 7 Uhr am Bahnsteig in Wuppertal und wartete auf den ICE. Dann stand auf der Anzeige erst „10 Minuten später“, dann „20 Minuten später“ und schließlich „70 Minuten später“… und das Beste kam noch. Ich musste mich dann in einen überfüllten Ersatzzug setzen, in dem es weder Internet noch einen Tisch zum Arbeiten gab. Wozu hatte ich überhaupt eine Sitzplatzreservierung vorgenommen? Da ging meine Laune echt den Bach runter. Wenigstens war ich nicht alleine unterwegs und in netter Gesellschaft. Danke dafür, Margarita Ruppel, mit dir macht das Reisen immer Spaß! Gegen 15 Uhr kam ich dann samt Gepäck auf der Leipziger Buchmesse an, wo mich Massen von verkleideten Menschen erwarteten. Nachdem ich mich durch die Menge gekämpft hatte, fand ich schließlich den Stand der Bücherfrauen. Und dort wurde ich von einer gut gelaunten Marianne Eppelt begrüßt. Die gute Laune war ansteckend. Da ich noch zum Übersetzerempfang am Abend wollte, hatte ich nur noch Zeit, um zum Unrast-Stand zu gehen, wo ich zu meiner Überraschung meine zwei Übersetzungen von Sara Ahmed im Regal stehen sah. Das versüßte mir den Tag, denn damit hatte ich nicht gerechnet. Nach einem kurzen Plausch mit dem Verleger musste ich auch schon wieder los, um vor dem Übersetzerempfang meine Sachen abzulegen.

Der Abend in der Moritzbastei fing mit einer Lesung von vier Übersetzern zum Thema „Die allgemeine Verunsicherung – Wissen Sie eigentlich, wen Sie da hören?“ an. Auf äußerst amüsante Weise wurde immer jeweils derselbe Auszug aus vier verschiedene Übersetzungen von drei Theaterstücken (u.a. Shakespeare) vorgelesen. Erstaunlich, wie sich Übersetzungen im Laufe der Zeit verändern können. Ein toller Auftakt. Anschließend gab es ein reichhaltiges kaltes sowie warmes Büffet inklusive Nachtisch. Es war so viel, dass ich leider nicht alles probieren konnte. Sehr schmackhaft. Beim Essen traf ich alte Bekannte und ehemalige Kommilitoninnen aus dem Übersetzerstudium. Man unterhielt sich über die Arbeit und erzählte lustige Anekdoten. Nach dem Essen gab es Live-Musik, zu der auf dem Dancefloor abgerockt wurde. Es war ein gelungener, wenn auch anstrengender erster Tag in Leipzig.

Tag 2:

Eva Profousová, Jan Faktor und Dorota Stroinska

Die Nacht war viel zu kurz, aber nutzte alles nichts. Ich hatte ja noch etwas vor. Als erstes steuerte ich auf der Buchmesse das Übersetzerzentrum an, wo eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wie übersetze ich in eine Sprache, die nicht die „meine“ ist?“stattfand, die von Dorota Stroińska moderiert wurde. Es ging um das Übersetzen aus der Muttersprache ins Deutsche. Wo liegen da die Schwierigkeiten? Wie sind die Übersetzer Jan Faktor und
Eva Profousová zum Übersetzen gekommen? Eine sehr spannende Unterhaltung, bei der sich herausstellte, dass man gar nicht pauschal sagen kann, wie man an eine Übersetzung herangeht. Der Eine sagt, man müsse die Sprache fühlen oder hören, der Andere, man müsse sich das Deutsche vor Augen führen. Jede/r Übersetzer/in hat da seine/ihre eigene Methode. Was ich daraus mitnehme: Man braucht Herausforderungen nicht zu scheuen, aber sollte wissen, was einem liegt und nicht jeden Auftrag annehmen. Da kommt es auf den Schreibstil, aber auch auf das Zielpublikum an. Viele Faktoren spielen eine Rolle, wenn es um das Übersetzen geht.

Alica Läuger über „‚da unten‘ – über Vulven und Sexualität“

Anschließend ging ich zu der Lesung von Alica Läuger, die über ihren Comic „›da unten‹-Über Vulven und Sexualität. Ein Aufklärungscomic“ sprach, der bei Unrast erschienen ist. Sie sprach von ihren Erfahrungen als Jugendliche und Erwachsene mit dem Thema Sexualität und weibliche Anatomie und Biologie. Über ihre Gründe, den Comic zu schreiben und über das Thema Menstruation, das immernoch ein Tabuthema sei. Ein Thema, über das es in unserer angeblich so aufgeklärten Zeit weiterhin Mythen gibt. Alica hat es sich zum Ziel gesetzt, junge Mädchen, die zum ersten Mal mit dem Thema Sexualität und Körper in Berührung kommen, besser aufzuklären, als es in den Schulen der Fall ist. Denn sie selbst hätte sich dasselbe gewünscht als sie in dem Alter war. Ich habe mir den Comic gekauft und werde in einem Beitrag darüber berichten.

Nach der Lesung hatte ich einen Termin mit meinem Verleger, in dem wir über zukünftige Projekte sprachen. Das lief erfolgreich. Ich war zufrieden. Ich freue mich schon darauf, zum dritten Mal ein Buch von Sara Ahmed zu übersetzen („Willful Subjects“). Auf ihrer Homepage gibt es einen Vorgeschmack auf das Buch. 

Anschließend machte ich mich noch auf zum Bücherfrauenstand, wo ich meinen Standdienst antrat. Es ist immer wieder schön, Frauen zu treffen, die man sonst nur auf der Jahrestagung sieht. Es kommt immer jemand vorbei und man tauscht sich über dies und das aus.

Britta Jürgs und Julia Baudis

Nachdem ich noch ein paar Stände abgeklappert hatte, z.B. besuchte ich Britta Jürgs am AVIVA-Stand und schaute am Stand des polnischen Buchinstituts vorbei, wo ich mich über neu erschienene Bücher von Feministinnen informierte, ging es abends noch zu einer Lesung im Leipziger Literaturverlag. Dort lasen Übersetzer/innen Gedichte aus verschiedenen Sprachen vor, unter anderem aus dem Portugiesischen, Französischen und Montenegrinischen. Ein interessanter Abend, vor allem, da Lyrik sonst nicht zu meinem Metier gehört.

Tag 3:

Am dritten Tag ging ich gemeinsam mit Marianne, unserer Messefrau bei den Bücherfrauen auf die Messe, um mit ihr den Stand zu eröffnen. Zum Glück war am letzten Tag nicht mehr so viel los. Ich hielt einen Plausch mit Jana Stahl und warb neue Interessentinnen für die Bücherfrauen ab sowie machte Werbung für das Buchorchester. Ein Projekt, das von Bücherfrauen ins Leben gerufen wurde, um auf den Wert des Buches aufmerksam zu machen. Darauf, wie viel Arbeit und wie viele Beteiligte nötig sind, um ein Buch herzustellen und herauszubringen. Danke noch einmal dafür! Ein tolles Projekt!

Diesmal ging es bereits am Mittag von der Messe in die Stadt bzw. zum Panometer in Leipzig, wo es eine Ausstellung des Künstlers Yadegar Asisi gab. Zum Thema „Carolas Garten“ wurden verschiedene Fotos und Zeichnungen des Gartens präsentiert und filmisch dargestellt. Highlight war das riesige Panorama-Bild mit 3D-Effekt, in dem die Szenerie zwischen Tagesanbruch und Dämmerung bzw. Nacht wechselte, alles begleitet von Hintergrundgeräuschen von Insekten und Regen. Man hatte das Gefühl, man befände sich mitten in dem Garten mit seinen Blumen und den vielen Tierbewohnern, die man wie durch eine Lupe vergrößert sehen konnte. Super schöne Bilder. Auch über den Künstler selbst erfuhr man in einem Video, das gezeigt wurde.

Der Ausstellungsbesuch war ein sehr schöner Abschluss meiner Reise nach Leipzig. Ich werde nächstes Jahr wiederkommen und freue mich schon darauf, bekannte und neue Gesichter zu treffen.

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